"Integration ist ohne Konflikte nicht zu haben": IQ Kongress in Berlin erfolgreich beendet

Vom  6. bis 7. Dezember trafen sich im Berliner Congress Centrum weit mehr als 600 Menschen und diskutierten die aktuellen Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten und Zugewanderten. In 4 Panels, 28 Workshops und 6 Roundtable-Gesprächen wurden so ziemlich alle denkbaren Aspekte des Arbeitsmarktzuganges für diesen Personenkreis thematisiert.

Für die Moderation war  der Fernsehjournalist Till Nassif engagiert, der seine Aufgabe insgesamt mit Sachkunde und großem Einfühlungsvermögen meisterte. Der Staatssekretär im BMAS, Thorben Albrecht der die erkrankte Ministerin würdig vertrat, eröffnete den Kongress und machte deutlich, dass Integration in den Arbeitsmarkt kein Sprint ist, sondern eher ein Marathonlauf.

Im ersten Panel stand das Selbstverständnis eines Einwanderungslandes zur Debatte. In seinem Einführungsreferat betonte Prof. Aladin El-Mafaalani von der FH Münster die Notwendigkeit einer konstruktiven Konfliktbewältigung als Voraussetzung für gesellschaftliche Innovation. "Die gelungene Integration erhöht das Konfliktpotential eines Gemeinwesens", so seine These. Nach seiner Meinung ist genau hier der Grundstein dafür, dass Einwanderungsländer ein Erfolgsmodell werden können. Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor warnte in ihrem Vortrag vor jeglichem menschenfeindlichem Diskurs. "Ausgrenzung fördert Radikalisierung", ist ihre Befürchtung.

Das zweite Panel öffnete den Blick in das außereuropäische Ausland. Prof. Lesleyanne Howthorne aus Australien, Dr. Linda Manning und Henry Akanko, beide aus Kanada, berichteten über die Integrationserfahrungen in ihren jeweiligen Ländern. Für Manning, die sich selbst als interkulturelle Ökonomin bezeichnet, sind es vor allem die Partnerschaften mit Kleinbetrieben, die für eine gelingende Arbeitskräfteintegration förderlich sind.  

In den Panels drei und vier wurden Aspekte einer fairen Arbeitsgestaltung für Zugewanderte und die Rezeption der Fluchtthematik in den Medien ausgeleuchtet. Simone Solka, Leiterin des Referats Grundsatzfragen der Migrations- und Integrationspolitik im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, berichtete über die besondere und überdurchschnittliche Betroffenheit von Menschen mit Migrationshintergrund bei Minijobs und prekären Arbeitsverhältnissen. Sie skizzierte die großen Herausforderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wenn vermieden werden soll, dass ganze Gruppen von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt abgehängt werden. Wie dies ganz praktisch aussehen kann, referierte Andrea Schmidt von der Samson AG in Frankfurt a.M. Dort wird seit März 2016 Geflüchteten ein Fördervertrag angeboten, der in eine vollwertige Berufsausbildung mündet.

Die Workshops und Roundtables widmeten sich unterschiedlichsten Aspekten der Beratung von Zugewanderten, der Anerkennung beruflicher Qualifikation, der Rolle von Verwaltungen, Betrieben und Ehrenamtlichen bei der Integration.

Ein ganz besonderer Höhepunkt des Kongresses war sicherlich der Auftritt des syrisch-palästinensischen Klavierspielers Aeham Ahmad im Abendprogramm.  In bewegenden Texten und auf hohem musikalischem Niveau sang er über die Situation in Syrien. Er begeisterte aber ebenso mit Kinderliedern und Ausflügen in die Klassik. Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen.

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